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Uferrenaturierung Kühkopf-Knoblochsaue von Rhein-km 474,0 bis Rhein-km 476,5

Projektgebiet

“Kühkopf-Knoblochsaue“ ist der Name von Hessens größtem Naturschutzgebiet. Die naturnahe Flussauenlandschaft am hessischen Oberrhein ist gleichzeitig Teil des EU-Schutzgebietsnetzes Natura 2000 sowie des von der UNESCO ausgezeichneten GEO-Naturparks „Bergstraße/Odenwald“.
Das Projekt liegt zwischen Rhein-km 474,0 und Rhein-km 476,5 auf der rechten Uferseite zwischen dem Stockstadt-Erfelder Altrhein im Süden und dem Schusterwörther Altrhein im Norden.
Die Projektfläche liegt an einem Ufergleithang.

Ziele

Eine Entsteinung des Ufers bewirkt, dass sich dieses eigendynamisch entwickeln kann. Es bildet sich allmählich eine strukturreiche Böschung heraus mit neuen Lebensräumen für Flora und Fauna. Vorzugsweise brüten oder nisten darin spezialisierte und daher häufig seltene Arten. Dazu zählen verschiedene Wildbienenarten oder auch der Eisvogel. Mit dieser Maßnahme kann sich auch die typische Vegetation der Weichholzaue, vornehmlich Weidengebüsche, wieder ausbreiten.
Das Projekt unterstützt somit auch verschiedene naturschutzfachliche Erhaltungs- und Entwicklungsziele des Schutzgebietes Kühkopf-Knoblochsaue (NSG/NATURA 2000) sowie Bewirtschaftungsziele der WRRL.

Maßnahmen

Der Ausgangszustand im Projektgebiet war geprägt von steilen Böschungen mit Steinschüttungen von bis zu einem Meter Mächtigkeit. Darunter befanden sich teilweise noch altes Deckwerk und ehemalige Sicherungen.
Im nördlichen Abschnitt erfolgte die Entnahme des Materials aufgrund der hydraulischen Verhältnisse bis zur Mittelwasserlinie. Im südlichen Uferabschnitt konnten die Steine sogar bis zum Böschungsfuß entnommen werden. Dort befand sich auch die „ehemalige NATO-Rampe“ (Rückbau bereits im Jahr 2012), die einst bei militärischen Übungen für Panzerüberfahrten durch den Rhein genutzt worden war.

Ein Bagger entfernt die Steinschüttungen am Ufer. Entfernung der Uferbefestigung am rechten Rheinufer. Quelle: WSV

Flussabwärts verringert sich der Abstand zwischen dem Ufer und der Fahrrinne. Die von den Schiffen erzeugten Wellen ließen dort nur einen Uferrückbau bis zur Mittelwasserlinie zu. Im Übergangsbereich zur weiterhin bestehenden Deckwerksicherung wurde alternativ eine naturnahe, technisch-biologische Ufersichersicherung mit heimischen Weidenarten umgesetzt. Die begrünte Steinschüttung und eine Weidenspreitlage entwickeln sich sichtlich gut. Von der Weide als Ufersicherung profitieren nicht nur spezialisierte Wildbienen als Nahrungsquelle, sie ist auch Basis eines Nahrungsnetzes, dem auch weitere Insekten angehören.

Damit genügend Entwicklungsfläche für das dynamische Ufer vorhanden ist, wurden die auf der Uferböschung stehenden Hybrid-Pappel-Überhälter entnommen sowie der Wegabschnitt im unterstromigen Bereich ins Landesinnere verlegt.

Blick auf ein grünes Ufer nach Aufwuchs der Weidenspreitlagen. Blick auf ein grünes Ufer nach Aufwuchs der Weidenspreitlagen. Quelle: WSV


Das Projektgebiet entwickelt sich zusehends zu einer attraktiven Flussuferlandschaft. Im Einzugsgebiet des Rhein-Main-Gebietes gelegen, unterliegt es einer hohen Anziehungskraft für Erholungssuchende. Das Projektgebiet wurde in ein regionales Gesamtkonzept zur Besucherlenkung integriert. Eine ansprechend gestaltete Hinweistafel informiert interessierte Besucher vor Ort über die Maßnahme.

Infotafel Auf einer Informationstafel können Interessierte vor Ort weitere Informationen über das Projekt nachlesen. Quelle: WSV



Finanzierung

Die Gesamtkosten von rund 1,3 Mio. € des Modellprojektes wurden aus den Investitionsmitteln für das „Bundesprogramm Blaues Band Deutschland“ zur Verfügung gestellt.

Auszeichnungen

Das Modellprojekt „Kühkopf-Knoblochsaue“ wurde im September 2020 als offizielles Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Die Überreichung der Auszeichnung fand im Rahmen einer Veranstaltung am 24.09.2020 statt. Das Renaturierungsprojekt im Bereich des hessischen Naturschutzgebietes Kühkopf-Knoblochsaue hat sich in besonderer Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt verdient gemacht und trägt den Titel „Ausgezeichnetes UN-Dekade-Projekt".

Prof. Dr. Beate Jessel (Präsidentin des BfN), überreicht Herrn Jörg Vogel (Leiter des WSA Oberrhein) die Urkunde zur Auszeichnung zum UN-Dekade Projekt "Biologische Vielfalt" UN Dekade Biologische Vielfalt Preisübergabe Prof. Dr. Beate Jessel (Präsidentin des BfN), überreicht Herrn Jörg Vogel (Leiter des WSA Oberrhein) die Urkunde zur Auszeichnung zum UN-Dekade Projekt "Biologische Vielfalt" Quelle: Foto: WSA Oberrhein


Hier geht es zur Pressemitteilung der GDWS und des WSA Oberrhein zur Überreichung der Auszeichnung am 24.09.2020.
Nähere Informationen zum Modellprojekt und seinem Bezug zur biologischen Vielfalt finden Sie hier.